Ode ans Wurstshöpchen

Im Rezept für den selbstgemachten Fleischsalat kam ich kurz auf unser Wurstshöpchen zu sprechen. Ehe ich mich versah, hatte ich beim Aufschreiben des Rezept einen regelrechen Lobgesang aufs Shöple verfasst – mitten im Rezept. Ich dachte, ich trenne es dann doch besser und erzähle hier von diesem zauberhaften Lädchen, wo wir immer unseren Aufschnitt und andere Spezereien kaufen. Ein bis zwei Mal die Woche, immer einwandfrei und super-frisch. Immer mit einem Lächeln im Gesicht, weil es dort so nett ist.

Wustshöpchen? Ja, so etwas gibt es bei uns. Ein kleiner, ganz spezieller Laden in unserer nicht vorhandenen City (wir wohnen nur in einer kleinen und recht unspektakulären Stadt, ohne jegliche Highlights im Bereich “Shopping”), wo man sich ganz auf den Verkauf von Wurstzialitäten (und ein klein wenig Käse) spezialisiert hat und nebenher auch noch tolle Mittagstisch- und Cateringangebote macht. Ein Lädchen kaum größer als ein Schuhkarton, aber mit dem Charme eines “Tante-Emma-Ladens” aus längst vergangenen Zeiten. Nostalgie pur. Einfach schön. Cosy. Sind 4-5 Kunden drin, ist es schon eng und man steht gedrängt. Neben der höchstens 4 Meter langen Theke finden gerade noch ein paar Regale Platz, auf der selbstgemachte Marmeladen und feine eingekochte Wurst- und Sülzwustspezialitäten angeboten werden. Da wird der Aufschnitt noch frisch geschnitten und vegetiert nicht über Stunden aufgeschichtet im Kühlthekenlicht vor sich hin. Die Leberwurst wird noch nach altem Familienrezept gewurstet und Geflügelwurst verkauft, die nicht von Wiesenhof ist. Da hängt das Foto des verstorbenen Vaters der Besitzerin als Glücksbringer an der Wand. Er war ein geschätzter Metzger im Ort und seine Produkte waren immer mit viel Liebe und erstklassig hergestellt. Seine Tochter führt die Tradition nun also weiter, wenn auch ein wenig anders. Keine Metzgerei, ein Wurstshöple eben.

Der winzige Laden ist immer brechend voll, man wird mit Namen begrüßt (wenn man ein paar Mal da war, versteht sich) und es gibt diesen speziellen und charmanten Service in Form des „Wurst-Bringdienstes“, wenn ältere Kundschaft mal nicht gut zu Fuß, das Wetter schlecht ist oder man einfach nicht mehr kann. Oder man ordert dort eine schönere Form von “Essen auf Rädern”. Das Shöple beliefert nämlich zur Mittagszeit ähnlich wie die Diakonie Senioren und Kindergärten mit feinsten Leckereien wie zu Omas Zeiten. Man kann natürlich auch einfach so mittags im Shop vorbeisehen und sich eine Portion des Tagesgerichtes gönnen, auch ohne Bringdienst. Egal ob Eintopfklassiker oder auch mal Schnitzel und Rouladen, das Shöple macht jeden glücklich.

Bei Familienfeiern kann man sich zu 1000 % auf das Shöple verlassen. Frau R. und ihr Team zaubern meisterliche kalte Platten, tolle warme Gerichte und gehen auf jeden Kundenwunsch gerne ein. Egal ob man ein Fleischesser ist oder Wert auf vegetarisches Essen legt, Frau R. macht es möglich.

Ich erinnere mich auch gerne an Herrn B., den Vorbesitzer des Shöpchens, der immer so bezaubernd und mit charmanten Singsangtonfall “Sonst noch?” sagte, wenn er einen Posten der Bestellung fertig gestellt hatte. Der Gute und seine Frau sind mittlerweile in Pension und das Shöple wird nun eben von Frau R. weiter geführt, die mit ihrem Team ebenso charmant ihr Handwerk versehen.

Läden wie das Shöpchen sind kleine Juwelen im Alltag. Ein Einkauf dort und man fühlt sich wie in einer längst vergessenen Zeit. Man entschleunigt dort, zwangsläufig schon, weil es ja eh immer so voll ist, andererseits aber auch, weil man sieht, mit wieviel Liebe zum Produkt dort gearbeitet wird. Meinen Mann und mich macht das immer ganz ruhig irgendwie. Es macht Freude die vielfältigen Aktionen des Mini-Lädchens zu sehen, mit denen charmant und ideenreich um Kundschaft geworben wird. Kundschaft, die man in Zeiten von immer billigerer Diskounterwurst natürlich dringend braucht. Beim Shöple mache ich mir jedoch eher wenig Sorgen. Da ist einfach alles so nett, so schön, so lecker, der Laden wird sicher nicht so einfach von der Bildfläche verschwinden. Hoffe ich zumindest.

Und falls Ihr mal vorbei kommt, in dieses Nest, in dieses Kaff, in diese unspektakuläre und doch irgendwie ganz nette Stadt, dann schaut doch auch mal bei Frau R. im Shöple vorbei und probiert die Wurstsorte „Wurst in Wurst“.

3 Gedanken zu „Ode ans Wurstshöpchen

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